wieder da

also ich bin gut wieder in Deutschland angekommen, hab jetzt erst mal ein bisschen Zeit, mich wieder mit meinen ganzen Leuten zu treffen und dann geht irgendwann auch die Uni schon los.

Das wird wohl der letzte Eintrag von mir sein, schätze ich, aber natürlich werde ich den Blog bestehen lassen, vielleicht will sich ja irgendwann noch irgendjemand die Fotos angucken oder so was in der Art 🙂

Vielen Dank für euer Interesse meinen Blog manchmal zu lesen, das war ein unvergessliches Jahr, das mir viel gebracht hat und ich hoffe, dass ihr auch irgendwie ein (wenn auch nur ganz kleines) Bild von Kolumbien bekommen habt, das doch schon deutlich anders ist, als es die Vorurteile sagen..

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Letzte mahle 

  • am Montag hatte ich schon meine Abschlussreflexion mit meinen Kollegen
  • am Mittwoch war ich zum letzen Mal beim Theater
  • gestern Abend habe ich die Concern-Leute zu mir in die Wohnung eingeladen, wir haben gekocht und viel Spaß gehabt, aber das war auch schon als Abschiedsessen gedacht

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  • morgen fahre ich zum letzten Mal nach Coyaima
  • Sonntag ist mein letztes Wochenende hier
  • mit den abuelos habe ich am Montag Verabschiedetreffen
  • am Dienstag ist das letzte Mal Basteln mit den Kindern
  • am Mittwoch muss ich alles packen und mich überall verabschieden
  • am Donnerstag (día de la independencia) geht schon unser Flieger
  • und in einer Woche bin ich schon wieder zu Hause
  • 😨😱

so wie ich vor genau einem Jahr nicht glauben konnte, dass ich bald in Kolumbien sein werde, kann ich jetzt nicht glauben, dass ich bald wieder in Deutschland sein werde. Das kommt mir soo weit weg vor und das liegt nicht nur daran, dass es wirklich weit weg ist, sondern einfach vom Gefühl her.

45° Festival Folclórico Colombiano

es waren auch noch ein paar andere südamerikanische Länder mit ihren „Königinnen“ und Tänzern vertreten..

 

und ich habe ganz vergessen zu schreiben, dass letztens in Ibagué eine Art Forum war, wo Vertreter der Regierung, der Kirche, der UNO und auch 2 Vertreter der FARC anwesend waren und sich zu den Friedensverhandlungen geäußert haben. Anschließend konnten die Zuschauer ihnen auch Fragen stellen, um Unverständnis und Zweifeln entgegenzuwirken, die bei vielen Kolumbianern noch existieren.
Das war sehr spannend mitzubekommen und zu hören, was die „wichtigen Menschen“ zu sagen haben und dass sie sich anscheinend wirklich Mühe geben, einen Weg zu finden, möglichst vielen gerecht zu werden, vor allem den Opfern.

News der vergangenen Woche

  • die Kinder haben hier im Moment noch Ferien, deswegen kommen immer nur so ein, zwei Kinder zu den Gruppen, aber das ist auch ganz entspannt, besonders beim Basteln.
  • außerdem sind hier gerade alle in Karnevals- und Feierstimmung, da die San Juan und San Pedro Feiertage im Moment sind, wo die traditionellen Tänze aufgeführt werden und in verschiedenen Regionen jeweils die Tanzköniginnen gewählt werden. Dazu werden hier in Tolima dann auch noch an verschiedenen Tagen die Spezialitäten des Departamentos gefeiert, wie zum Beispiel der Sombrero tolimense, Tamales (Reis mit Gemüse, Ei und Fleisch in Bananenblättern eingewickelt), Lechona (gefülltes Schwein), oder auch Aguardiente Tapa Roja (jedes Departamento hat seinen eigenen Aguardiente und Tapa Roja ist eben der aus Tolima). Im Moment gibt es also an den Samstagen Umzüge in Ibagué, wo die Königinnen dann auch zu sehen sind, Sonntags gibt es Umzüge mit Pferden und die Montage sind in diesen Wochen Brückentage, also frei. Das kommende Wochenende Anfang Juli ist allerdings das letzte der Fiestas.
  • letzte Woche Dienstag auf Mittwoch hat Sueños Especiales (Theresas Organisation) ein Campingausflug mit all seinen Gruppen gemacht und da ich in der Theatergruppe bin, durfte ich auch mitfahren. Das war auf einer Finca in Ibagué, wo es sehr schön warm war, aber auch viele Mücken gab!
    Wir sind also morgens früh in einer Chiva (quasi ein Partybus) los gefahren, haben dann Zelte aufgebaut, Mittag gegessen, eine Art Olympiade mit vielen Spielen gemacht und danach ganz viel Zeit im Pool gehabt. Dann gab es Abendessen, danach eine Party für alle und dann haben wir noch einen Film gesehen, damit die Kinder nicht mehr so aufgedreht sind, sondern müde werden — was auch funktioniert hat.
    Am nächsten Morgen haben wir dann zusammen gefrühstückt, dann gab es wieder ein paar Stunden Zeit im Pool oder auf dem Fußballplatz und schließlich haben wir die Zelte wieder eingepackt und nach einem Gruppenfoto sind wir dann wieder in der Chiva nach Hause gefahren.
    Das war sehr lustig und ich freue mich schon, wieder mit den Pfadfindern auf Lager zu fahren, das hat mir das Jahr über nämlich wirklich gefehlt.
  • letzte Woche Donnerstag war wieder Impftag bei Concern, dieses Mal gegen Influenza (also eine Grippe), wo jeder der wollte vorbeikommen und sich kostenlos impfen lassen konnte.
    Solche Impftage veranstaltet Concern immer mal wieder, damit hier auch alle Zugang zu den wichtigen Impfungen haben.
    Und solche Tage gibt es nicht nur für Menschen, sondern manchmal auch für Hunde.
  • dann haben wir am Freitag letzter Woche mit den Frauen, die in den ländlichen Gebieten Ibagués weiter oben in den Bergen leben, ein Sancocho gemacht.
    Das ist quasi eine Suppe auf Basis von Fleisch, Fisch oder Gemüse wie Kartoffeln oder Kochbananen. In unserem Fall wurde es mit Fleisch und Hühnchen, Kartoffel, Kochbanane, Kürbis und Yuca gemacht und dazu gab es Reis. Ich habe dann halt nur Reis und Salat mit Kürbis, Kochbanane, Kartoffel und Yuca gegessen, was allerdings auch schon ausreichend für eine Mahlzeit ist..
  • am Samstag war ich wieder in Coyaima bei den indigenen Kindern und Jugendlichen, wo auch viele wegen der Feiertage nicht da waren, aber es hat trotzdem wieder viel Spaß gemacht.
  • und dann kam Luisa am Wochenende noch vorbei, also haben wir drei uns noch mal nach einiger Zeit wiedergesehen und viel zu erzählen gehabt und wir haben uns mit unserem Sprachlehrer getroffen, den wir im August hatten. Da Luisa von Líbano direkt nach Bogotá fährt wenn wir fliegen, ohne vorher noch einmal nach Ibagué zu kommen, war das für sie also erstmal das letzte Mal hier und da wollte sie sich natürlich von den Leuten, die sie kennt verabschieden und ist deswegen auch erst am Dienstag morgen (Montag war ja frei) zurück nach Líbano gefahren, damit sie sich auch von den Concern-Mitarbeitern verabschieden konnte, nachdem sie sich schon am Wochenende von den Sueños-Mitarbeitern verabschiedet hatte.

ansonsten ist diese Woche wieder ganz normal, aber da der Juli 5 Samstage hat, wir aber nur 4 pro Monat mit den Indigenen arbeiten können, sind nächsten Samstag keine Treffen, also habe ich ein ganz langes Wochenende von Samstag bis Montag frei und eigentlich wollten wir uns dann mal die Umzüge ansehen gehen — wird bestimmt ganz schön. 🙂

  • und ich habe letztens meine ganzen Avocado- und Mangobäume auf dem Concerngelände eingepflanzt, die ich jeweils aus einem Kern großgezogen habe.

so wie immer, nur kürzer

Hallo!

Es gibt irgendwie gar nicht so wirklich viel Neues, deswegen hab ich schon lange nichts mehr geschrieben. Die Tage und Wochen vergehen so schnell, dass jetzt schon nur noch 6 Wochen übrig bleiben. Das rast hier alles so und ich will gar nicht weg, aber auf der anderen Seite merke ich auch, dass die Zeit bald gekommen ist und das ist auch gut so. Ein Jahr ist für mich eine gute Zeitspanne und obwohl ich hier alle gerne mitnehmen würde, freue ich mich auch darauf, wieder nach Deutschland zu kommen. Also genieße ich einfach die restliche Zeit mit meinen Lieblingskollegen, meinen Gruppen und den Samstagen bei den Indigenenprojekten und kann wundervolle Erinnerungen und Erfahrungen aus einem tollen Jahr mitnehmen.

Die Zirkusgruppe hat auch wirklich Spaß gemacht, aber die Jugendlichen haben schon wieder viel zu tun, sodass es in letzter Zeit leider gar nicht mehr wirklich zu Treffen kam. Ich hätte mit der Gruppe vielleicht irgendwie schon früher anfangen müssen, um ein bisschen Vorlauf zu haben, um Leute zu suchen, die interessiert sind und Zeit haben. Aber das hat eben nicht geklappt, also übe ich manchmal einfach so neue Jongliertricks oder fahre Einrad 😀

Theresa und ich haben auch letzen Sonntag mal vernünftigen Sport gemacht und waren Bouldern. Der Plan ist es, das jetzt jeden Sonntag zu machen, außer an dem Wochenende, wo wir Luisa noch mal in Líbano besuchen gehen, um uns auch da von allen zu verabschieden.

Auch wenn mir der Rückflug immer noch in weiter Ferne erscheint und es mir so unwirklich vorkommt, dass das Jahr bald schon zu Ende sein soll, machen Theresa und ich schon immer mal wieder Pläne, von wem wir uns wann verabschieden könnten, oder was wir unbedingt noch machen müssen, bevor wir fahren. Das fühlt sich irgendwie komisch an, obwohl wir das Gleiche vor ziemlich genau einem Jahr auch getan haben, aber da wussten wir, dass wir die Meisten nach einem Jahr wieder sehen würden und hier ist das irgendwie so die Frage, wann wir das nächste Mal hier sein werden.. Auch wenn es auf jeden Fall ein Wiedersehen geben wird; das Land lässt mich nicht los.. und die Leute natürlich auch nicht 😉

das Paradies gibt es manchmal eben doch

Nachdem mein Papa weg war, hatte ich dann auch noch 3 Wochen Besuch von meinem Freund und da sind wir dann auch nochmal ein bisschen gereist, vor allem an der Küste.

Wir waren auf den kolumbianischen Inselchen San Andrés, Providencia und Santa Catalina, die in der Karibik liegen und da war es wirklich atemberaubend schön! Also was Kolumbien an Natur zu bieten hat, ist paradiesisch und ich bin froh, dass ich das alles in echt sehen konnte.. Auf Fotos ist ja alles bekanntermaßen immer nur halb so schön, aber es gibt trotzdem ein paar zum Ansehen 😉

Im Anschluss haben wir auch noch einen Tag in Cartagena verbracht, bevor es abends dann zurück nach Hause ging. Das Meer kann da mit den Farben von dem in Providencia wirklich nicht mithalten, aber es ist trotzdem sehr schön, auch wenn sehr zugebaut in Cartagena und das historische Zentrum ist erst recht sehr hübsch mit seinen bunten Häusern, den Cafés und den kleinen Lädchen.

 

Tja, jetzt hab ich schon ein bisschen was von diesem riesigen Land gesehn, aber es fehlt trotzdem noch so viel.. Aber jetzt bin ich auch erst mal froh wieder in der Arbeit und mit meinen Gruppen zu sein, da ja auch nur noch 3 Monate bleiben und Reisen kann ich auch noch wenn ich mal wiederkomme, aber meine Gruppen habe ich dann ja leider nicht mehr, also jetzt noch die restliche Zeit genießen, bevor es wieder zurück nach Deutschland geht..

Außerdem gibt es bald eine Zirkusgruppe, mal gucken ob sich Leute finden und wie das klappt – ich bin gespannt!

Achja und hier sind mal ein paar Bilder von dem Concern-Gelände, damit ihr euch irgendwie mal ein bisschen vorstellen könnt, wie es da so aussieht 🙂

Tja ich muss zugeben, dass ich gar nicht so viele Bilder vom Gelände habe, aber in diesem runden Pavillon arbeite ich immer mit meinen Gruppen.

 

​Auf ein Säftchen und ein Kochbananenpüfferchen bei meiner Tochter Lilo in Kolumbien…

Was bin ich froh, dass Lilo die Initiative ergriffen hat und mittlerweile vor rund 8 Monaten einen einjährigen Freiwilligendienst in Kolumbien begonnen hat. 
Sicher hätte ich andernfalls weder dies schöne und spannende Land mit seinen herzlichen Menschen kennen gelernt, noch hautnah erleben können, wie souverän sie ihren Laden schmeißt. Lilos Laden – das sind vor allem ihre Kurse für Kinder, Jugendliche und Senioren, die Lilo bei Concern Universal in Ibagué abhält, aber auch der Haushalt in ihrer kleinen Wohnung, den sie nebenher mit Bravour managt und in Schuss hält. Besonders gefallen hat mir hier jene Eule, die meine Tochter auf eine ihrer Zimmerwände gemalt hat.

Ich hatte dreieinhalb Wochen Gelegenheit, Lilo vor Ort in Kolumbien zu erleben. In der ersten Hälfte stand ihre Lebens- und Arbeitsumgebung in Ibagué rund um Concern Universal im Mittelpunkt des Geschehens. Ich habe die Einrichtung, Lilos Kollegen und ihre Arbeit kennen gelernt, im Wesentlichen indem ich in ihren Kursen hospitiert habe. Die Arbeit bei Concern Universal tut Lilo wirklich gut. Sie spricht klasse, ja ausgezeichnet Spanisch, hat das nötige Standing und die erforderliche Geduld, nicht zuletzt um im Bedarfsfall auch einen Haufen lebendiger Kinder im Zaume zu halten. Ich persönlich habe zudem sehr davon profitiert, dass sich Lilo auch zu einer leidenschaftlichen Köchin entwickelt hat, die nicht nur richtig gerne, sondern auch noch besonders lecker kocht.

In der zweiten Hälfte haben wir dann zusammen Urlaub gemacht und sind kreuz und quer durchs Land gereist. Wir waren u.a. auf einer Kaffee-Finca, in einem Nationalpark an der Karibikküste, in Medellín (hat so viel Einwohner wie Berlin), in Bogotá (hat mehr als zweieinhalbmal so viel Einwohner wie Berlin) und schließlich in Villa de Leyva, einem kleinen Kolonialstädtchen ganz im Stile eines malerischen andalusischen Örtchens.

Mit eigenen Augen und Nasen haben wir verfolgen können, wie Kaffee zusammen mit Bananen und einer Unmenge und Sortenvielfalt an anderen Früchten aufwächst und über einen ausgefeilten und arbeitsintensiven Produktionsprozess, der eben nicht erst beim Rösten anfängt, zu dem wird, was dann am Ende in unseren deutschen Kaffeetassen landet. Wir sind an der karibischen Küste durch Kokospalmenwald gewandert, in dem die Kokosnüsse  – vergleichbar mit Bucheckern oder Eicheln im Herbst in Deutschland – massenhaft und einfach so auf dem Waldboden liegen. Wir haben sowohl mit dem Omnibus als auch zu Fuß Wolken durchquert –  in den Anden auf bis zu 3600 Meter Höhe. In Medellín ist auf meinem Abendessen ein gut handtellergroßer Schmetterling (ruhig Blut – nein,  weder eine mit Nuklearsprengköpfen bestückte Drohne, noch ein mit Kokain beladener Lastensegler) gelandet, der sich erst nach viel gutem Zureden bequemte, wieder davon zu fliegen. Übrigens: Kolibris sind auch nicht immer leuchtend farbig, sondern können genauso unauffälliges Gefieder wie Spatzen besitzen. Was die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen in Kolumbien angeht, könnte ich mich jetzt dranhalten. Ich lass es lieber.

Was war für mich als alten teutonischen Haudegen wirklich anders oder hat mich besonders beeindruckt an der kolumbianischen Kultur – verglichen mit dem, was ich von den Gepflogenheiten aus meiner Heimat, den niedergermanischen Wäldern gewohnt bin? Ich könnte es mir einfach machen und Geert Hofstedes ursprünglich für IBM entwickeltes sechsdimensionales Raster zum Kulturvergleich (6D-Model) heranziehen (Kolumbien: https://geert-hofstede.com/colombia.html, Deutschland: https://geert-hofstede.com/germany.html). Passt natürlich auch, so einfach mache ich es mir aber nicht:

  • Der Straßenverkehr – insbesondere der in Bogotá – ist ein chaotischer, jederzeit fast kollabierender Verkehrsstrom aus Lastwagen, Privat-PKWs und Unmengen von Taxis und Bussen, durch den sich dann auch noch zusätzlich eine Vielzahl von Mopeds und Motorrädern nach Gutsherrenart zwängt und mogelt. Omnibusse laden Fahrgäste überall auf ihrer Fahrtstrecke „on demand“ ein und ab. Immer dann, wenn der Verkehr ins Stocken gerät, fällt der Startschuss für das Heer der Straßenhändler, die den im Stau Befindlichen noch schnell ein frisch gepresstes Säftchen, etwas Gebäck oder sonst irgendetwas feilbieten möchten. In Kolumbien ist jemand mit einer Avocado in der Hand vielleicht noch ein Konsument, mit vier Avocados in den Händen, ist spätestens die Einstiegsvoraussetzung erfüllt, professionell mit Avocados Handel zu treiben.  Ach ja, dann gibt es ja noch die sogenannten „liegenden Polizisten“. Das sind auf die Fahrbahn aufgetragene, flache Betonschwellen, die Raserei verhindern sollen, wenn der Verkehr einmal fließen sollte. Es hängt freilich von der Geduld und dem Fingerspitzengefühl des Fahrers ab, wie die Fahrzeuginsassen das Überqueren der „liegenden Polizisten“ (üb)erleben. 
  • Ich bin zu lang für Kolumbien. Für meine Knie war das in Kolumbien übliche Busfahren immer wieder eine Herausforderung. Wie oft habe ich mir in der Metro in Medellín an den für mich zu niedrig angebrachten Gestängen den Kopf gestoßen. Lilo hatte da gut lachen.
  • Benutztes Toilettenpapier gehört nicht ins WC, sondern in den daneben positionierten, kleinen Treteimer.
  • Geschirr wird von Hand anders gespült als in Deutschland – nicht mit Flüssigspülmittel aus dem Kunststoff-Fläschchen, sondern mit Spülpaste aus dem Kunststoff-Töpfchen.  Das mit der Paste und einem robusten Spülschwamm gereinigte Gut wird kurz mit einem Kranwasserstrahl abgespült – also nicht in einem Wasserbad ertränkt und gereinigt.
  • Autotüren werden nicht zugeknallt, sondern leise geschlossen, andernfalls wird dies als sehr unhöflich oder gar ungezogen empfunden. 
  • Den Kaffeekonsumkult, wie wir ihn in Europa zelebrieren, gibt es in Kolumbien so nicht – jedenfalls nicht in der Fläche. Es wird nicht so häufig und so viel Kaffee getrunken wie z.B. in Deutschland. Wenn Kaffee getrunken wird, wird er zumeist ohne Schnickschnack in einem Kaffeebereiter mit Pressfilter zubereitet. Die edlen Kaffeeböhnchen und äußerlich tadellos schön aussehende Früchte sind sowieso nur für den Export z.B. nach Europa bestimmt. Kakao, d.h. Trinkschokolade hat einen deutlich höheren Stellenwert als bei uns. In Kolumbien reicht man dazu gerne ein Stück des landestypischen, milden Butterkäses und ein süßliches Brötchen/Hörnchen.
  • Eine Mahlzeit beginnt meistens mit einem frisch hergestellten Saft, d.h. aus im Mixer zusammen mit Wasser oder Milch sowie etwas Zucker pürierten Früchten zumeist ein und derselben Fruchtsorte. Der Saft wird nicht etwa mit Apfel- oder Zitronensaft verschnitten und keinesfalls aus Saftkonzentrat zusammengeschustert. Für Kolumbianer ist die Vorstellung mehr als irrwitzig, dass ein heimisches Fruchtangebot so eingeschränkt sein könnte, dass es praktisch nur Apfelsaft hervorbringen könnte, den man dann auch noch zu Schorle verdünnt. Bei meinem ersten Kontakt mit dem heimischen Fruchtangebot in einem kolumbianischen Supermarkt bin ich in der Tat in die Knie gegangen und bin aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Viele der dort angebotenen Früchte kannte ich überhaupt nicht oder nur in anderer Form oder Größe. So vielfältig das Fruchtangebot ist, so eingeschränkt ist allerdings das kolumbianische Angebot an Brot und Bier. Das kolumbianische Bier ist süffig und kommt zum weit überwiegenden Teil von der Brauereigruppe Bavaria S.A. Bier wird dem Konsumenten gegenüber im Wesentlichen nach Farbe unterschieden: Gold, Rot und Schwarz. Das war´s! Dass Bier (zumindest überwiegend) aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe entsteht, findet sich auf keiner Bierdose oder -flasche und ist Kolumbianern zumeist offenbar unbekannt. Die Kolumbianer, die ich kennen gelernt habe, konnten sich unter Hopfen („el lúpulo“) nichts vorstellen.
  •  „Pretzels“ konnte man in der „Dorfkneipe“ in Villa de Leyva zu Erdinger und Warsteiner bekommen mit Blick auf einen Aushang des Rheinischen Grundgesetzes (kölsche Fassung mit spanischer Übersetzung). Die „Pretzels“ waren blass(farbig)e Verwandte der deutschen Laugenbrezel. Zu meinem Erstaunen/Entsetzen werden „Pretzels“ in der amerikanischen Hemisphäre typischerweise mit Senf gegessen. 

  • Die deutsche Flagge wird in Kolumbien gerne bei der Werbung für Technik oder für pharmazeutische Erzeugnisse als Gütesiegel für hohe Produkt- bzw. Produktions(prozess)qualität eingesetzt. Ein schönes Beispiel ist das Logo der Drogeriekette „Droguería Alemana“: weißer Mörser mit Pistill vor deutscher Flagge unter gelber Krone.

  • Die Menschen in Kolumbien habe ich als sehr herzlich und ausgesprochen (groß)familienverbunden erlebt. Ich musste mich allerdings zunächst einmal daran gewöhnen, dass es in Kolumbien Usus ist, direkt zu Beginn des Kennenlernens zu allen Details und Besonderheiten der eigenen Familie, der Ursprungsfamilie und den zugehörigen Personen ausgiebig befragt zu werden.
  • Den Menschen, denen ich in Kolumbien begegnet bin, war es immer wichtig, das abgesprochene Ziel oder Ergebnis unter allen Umständen auch zu erreichen, was am Ende tatsächlich immer eindrucksvoll gelungen ist. In Deutschland versucht man die Zielerreichung oft durch die strikte Einhaltung eines zuvor abgesprochenen Planes zur Erreichung des Zieles abzusichern. In Kolumbien gibt es, was den Umgang mit Plänen angeht, offenbar mehr Freiheitsgrade. Pläne können dort auch den Charakter von Serviervorschlägen haben.
  • Medellín wird nicht umsonst ab und an das München Kolumbiens genannt, bestimmt nicht weil der Stadtname ebenfalls mit „M“ anfängt und mit „n“ aufhört. Medellín hat in der jüngsten Vergangenheit unglaubliche Anstrengungen unternommen, sich von dem Drogenkartell-Image der 80er- und 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts und dem Schatten von Pablo Escobar zu lösen. Mit wirklich beeindruckendem Erfolg! Medellín ist heute eine zivilwirtschaftlich überaus starke und attraktive Stadt mit zahlreichen renommierten Bildungs- und Kultureinrichtungen sowie einer sehr guten, vorbildlich organisierten Infrastruktur. Die damals als No-Go-Area abgestempelten Stadtviertel werden heute stolz Touristen wie Lilo und mir vorgeführt. Es wäre natürlich Augenwischerei, wenn man den Berg der noch immer existierenden Problem Medellíns unter den Tisch fallen ließe. Aber: München war auch nicht immer der strahlend leuchtende Stern am weiß-blauen Himmel. Nicht vergessen: Adolf Hitler war zeitlebens München gegenüber sehr verbunden und dort noch bis zu seinem Tode 1945 als wohnhaft gemeldet, d.h. in seiner sogenannten „Hauptstadt der Bewegung“, in der er 1923 seine als Keimzelle der SS geltende Schlägertruppe „Stoßtrupp Adolf Hitler München“ gründete.

Mein Fazit: Kolumbien ist in der Tat ein so spannendes und überaus vielfältiges Land mit durch und durch herzlichen Menschen. Ohne Lilos analytischen Scharfsinn, ihr Spanisch und Fingerspitzengefühl für die kolumbianische Kultur sowie ihr Organisationsgeschick hätte ich in Kolumbien allerdings so manches Mal richtig auf dem Schlauch gestanden und hätte all diese tollen Erfahrungen gar nicht oder mindestens nicht so unbeschwert machen können. 

Respekt und vielen, vielen, herzlichen Dank, Lilo!

Besuchszeiten

  • die neue Englischgruppe für Jugendliche ist super, auch wenn beim letzten Mal nur einer da war –  der war wenigstens super interessiert, sodass es wirklich Spaß gemacht hat!
  • mein Papa ist jetzt schon seit anderthalb Wochen hier in Kolumbien und hat mich bei meiner Arbeit begleitet und in alle Gruppen mal reingeschnuppert, um einen Eindruck zu bekommen. Es wird wohl auch bald irgendwann einen Gasteintrag geben (also von meinem Papa), um hier mal einen Perspektivenwechsel einzubringen!

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  • wir haben auch ein paar Ausflüge in Ibagué gemacht und dieses Wochenende sind wir nach Armenia in die Kaffeezone gefahren und haben auf der Finca San Diego genächtigt. Es war extrem schön und entspannend ruhig da, sehr viel Natur und vor allem gaaaanz viel Kaffee- und Plátanoanbau (Kochbanane) und sonst auch richtig viele Obstbäume, wo man in Deutschland nur neidisch werden kann, wenn man das mal so vergleicht..
  • und vor allem haben wir auch eine Kaffeeführung bekommen, vom Anbau bis zur gemahlenen Bohne. Allerdings ist dort noch keine Erntezeit, also waren nur ein paar einzelne rote Früchte an den Sträuchern.. Aber geht ja ums Prinzip!
  • und dann haben wir noch den botanischen Garten da in der Nähe besucht, der sich auch richtig gelohnt hat, ganz besonders wegen des Schmetterlingshauses..
  • tja und jetzt geht es morgen auch schon in aller Frühe an die Küste, um in den letzten Tagen, die mein Papa noch hier ist, das Land ein Stückchen besser kennenzulernen und Neues zu sehen.
  • und wenn ich dann wieder zurück bin, fängt auch endlich die Arbeit mit den indigenen Gruppen wieder an! 🙂

mit Feuereifer ins neue halbe Jahr!

Das geht immer so schnell, dass man lange keinen Blogeintrag mehr geschrieben hat..

Also der Monat frei von Arbeit und voll mit Auswertungen ist ja jetzt schon ein Weilchen her und mittlerweile bin ich hier in Ibagué und bei Concern auch wieder bestens eingearbeitet.

  • die Gruppe mit den Senioren läuft schon und heute haben wir Brettspiele gespielt.
  • sowohl basteln, als auch Englisch mit den Kindern ist auch schon seit ein paar Wochen wieder voll im Gange und da ja wieder Anfang des Jahres ist, sind es im Moment deutlich mehr Kinder, aber das wird sicherlich im Laufe der Zeit auch wieder abnehmen, sodass da bestimmt auch wieder ein bisschen mehr Ruhe rein kommt.
  • hier haben wir zum Beispiel gruselige Aufklappbilder gebastelt.
  • und in dieser Woche gab´s mal nichts zum Mitnachhausenehmen, sondern ein paar biologischabbaubare Kunstwerke.
  • meine Deutschgruppe löst sich leider gerade ein bisschen auf, da wegen des neuen Semesters einige nicht mehr können und jetzt müssen wir einfach mal gucken, dass wir genug neue interessierte Leute finden, um da wieder vernünftig arbeiten zu können.
  • diese Woche Mittwoch starte ich noch eine neue Gruppe und zwar Englisch für Jugendliche. Das wird aber (hoffentlich) eher praktisch sein, also viel Unterhalten und nur wenn sich Grammatikthemen zum Vertiefen gewünscht werden, dann eben auch ein paar theoretische Sachen. Aber mal schauen, wie sich das umsetzen lässt, da die Jugendlichen ganz oft ja auch extreme Sprachniveau-Unterschiede haben.
  • und für ein paar Wochen mache ich manchmal (wenn wir 2 Stündchen finden, wo wir alle drei mal Zeit haben, was im Moment leider sehr selten ist) noch eine Art Deutschunterricht für zwei meiner Kollegen, da die Beiden im März für knapp 3 Wochen nach Deutschland, bzw. nach Aachen reisen werden, um dort mit dem BDKJ ein bisschen über den Freiwilligendienst zu sprechen und die Partnerschaft auch am Laufen zu halten und auch das Partnerland mitsamt seiner Kultur ein bisschen besser kennenzulernen.

Und neben all dem ganzen Unterricht wollte ich eigentlich auch noch so was wie eine Akrobatik-Gruppe für Jugendliche machen, aber im Moment ist das ein bisschen schwierig, da jetzt die Besucher-Zeit bei mir anfängt, denn am Mittwoch kommt mein Vater schon und bleibt gut 3 Wochen und dann eine Woche später kommt schon wieder der nächste Besuch, wo ich dann auch jeweils mit den Beiden ein bisschen durchs Land reisen werde und deswegen bleiben immer nur vereinzelte Termine und das ist super doof für eine neue Gruppe.. Deswegen werde ich das wohl erst danach in Angriff nehmen.

Ansonsten ist hier alles beim Alten, zumindest bei mir und die Zeit vergeht jetzt bestimmt wieder ganz schnell mit dem Besuch, aber wahrscheinlich sogar noch schneller als eh schon.
Aber das ist ja wenigstens ein Zeichen dafür, dass es nicht langweilig ist! 🙂

Ein Monat voller Auswertungen

Seit ein paar Tagen bin ich schon wieder zu Hause, aber um hier mal von vorne anzufangen, was diesen Monat so los war:

  • Anfang Januar sind Luisa, Theresa, Oli und ich nach Ecuador geflogen, da wir unsere Zwischenauswertung von Weltwärts dort hatten. Aber zuerst haben wir uns ein paar Tage Quito (die Hauptstadt) angeguckt und waren im historischen Zentrum unterwegs.
  • natürlich sind wir auch zur „mitad del mundo“ (Mitte der Welt) gefahren, wo es eine Art Park gibt und wo man auf beiden Halbkugeln gleichzeitig stehen kann.
  • nur schade, dass wir gar nicht wirklich bei der Mitte der Welt waren, da das alte Messungen sind und man heutzutage weiß, dass die Mitte ungefähr 200 Meter weiter liegt..
  • aber dafür müssen wir den Äquator ja irgendwann mal überquert haben, da der Süden Quitos, wo Johanna und Christina beimdsc04799arbeiten, schließlich schon auf der Südhalbkugel liegt.
    Die beiden arbeiten in einem Heim für Jungs und waren schon bei den Vorbereitungsseminaren in Deutschland mit dabei.
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Quito bei Nacht

  • wir haben dann eine Nacht bei den beiden geschlafen und sind am nächsten Tag zusammen nach Baños gefahren, was auch ein sehr sehr schöner Ort ist. Und man ist immer mitten in den Wolken..
    Wir haben uns dann über die schon vergangenen Monate unterhalten, was wir gut fanden, was wir noch verbessern wollen und was wir in den noch kommenden Monaten noch so machen möchten. Außerdem haben wir über „krasse Situationen“ gesprochen, die vielleicht nicht so einfach waren und was so das Bild von den Bewohnern hier über den Freiwilligendienst und uns ist.
  • außerdem hatten wir auch einen freien Nachmittag, wo wir eine Fahrradtour zu einem sehr beeindruckenden Wasserfall gemacht haben (Pailón del Diablo). Wir haben hier wirklich schon einige Wasserfälle gesehen, aber noch keiner hatte so eine Wucht. Der hätte alles mit sich gerissen.
  • dann sind wir wieder nach Quito gefahren und haben noch eine Nacht bei den Mädels geschlafen und sind dann am nächsten Tag wieder zurück nach Bogotá geflogen, wo wir von Gesa (BDKJ), Petra (DPSG) und Mirijam (KJG) abgeholt wurden und dann ging am nächsten Tag die Auswertung weiter. Wir haben ihnen nochmal ein bisschen zusammengefasst, was wir in Baños so besprochen haben und haben noch einzelne Gespräche mit unseren Ansprechpartnern der Entsendeorganisationen jeweils gehabt, wo wir dann besprochen haben, was wir in Líbano so ansprechen möchten, damit das nächste halbe Jahr nochmal sehr gut wird.
  • nach ein paar Tagen sind wir dann alle zusammen mit noch zwei Kolumbianern vom Movimiento por la vida (Olis Organisation) nach Líbano gefahren, wo wir dann auch noch zwei von Concern, zwei von Sueños und welche vom Hogar del niño und Creamos getroffen haben, um dann mit dem letzten Teil der Auswertung zu starten. Da wurden dann mehr oder weniger nochmal die gleichen Themen besprochen, aber dafür konnten wir uns in Gruppenarbeit noch mit unseren eigenen Organisationen austauschen, was aus deren Sicht gut oder verbesserungswürdig war.
  • und wir haben am Samstag noch eine Art Diskussion oder Fragerunde von den Deutschen über Migration in Europa und von den Kolumbianern über den Friedensprozess in Kolumbien gemacht, um ein bisschen Austausch über aktuelle politische Themen in dem jeweils anderen Land zu haben.
  • an dem Sonntag sind wir dann fast alle zusammen nach Murillo gefahren, wo Luisa, Theresa und ich schon bei unserem ersten Wochenende in Líbano waren. Wir sind dann auch wieder bei dem Wasserfall gewesen, aber auch noch bei einer schönen Lagune. Und es war wieder extrem kalt (Murillo liegt auf 3.000 m) 😮
  • dann sind wir wieder in unsere Städte gefahren und Gesa ist noch mit mir nach Ibagué gekommen, um zu sehen, wie ich hier so lebe und um auch bei Concern noch hallo zu sagen.
  • wir haben dann auch noch einen Tag mit Theresa, Petra und den Sueños-Mitarbeitern einen Ausflug zu der Kakaofinca entreaguas gemacht, wo wir durch einen Fluss wieder zu einem Wasserfall gegangen sind und uns rückwärts in ein „Wasserbecken“ fallen gelassen haben, so wie das auch die Indigenen früher gemacht haben. Dann haben wir dort zu Mittag gegessen und danach haben wir einen selber-Schokolade-machen-Workshop bekommen.
  • und am Montag fange ich dann wieder an zu arbeiten. Wird auch Zeit, nach einem Monat voll raus sein.